Warum Gotland eine Rad-Insel ist
Gotland ist überwiegend flach, die Nebenstraßen sind ruhig, und die Entfernungen bleiben überschaubar. Statt nennenswerter Steigungen erwarten dich Küstenabschnitte, Kiefernwälder, Felder, Fischerdörfer und immer wieder eine der mittelalterlichen Landkirchen. Wie flach die Insel wirklich ist, zeigt die höchste Erhebung entlang des Inselrundwegs: die Lojsta hed mit gerade einmal 82 Metern über dem Meer.
Genau diese Topografie macht das Radfahren für fast alle machbar. Der Inselrundweg gilt offiziell als anfängerfreundlich und eignet sich auch für Familien und E-Bike-Fahrer. Wer es sportlich mag, fährt ihn als intensive Wochenendtour; wer es ruhig angehen lässt, verteilt ihn gemächlich über eine Woche mit Einkehr und Übernachtungen unterwegs.
Der Gotlandsleden: einmal um die Insel
Das Rückgrat fürs Inselradeln ist der Gotlandsleden, ein durchgehend ausgeschilderter Radrundweg von insgesamt rund 540 Kilometern, der die gesamte Insel umrundet. Erkennen lässt er sich an den roten „Gotlandsleden”-Schildern. Wichtig zu wissen: Nur etwa 16 Kilometer davon sind eigenständiger, autofreier Radweg – der weit überwiegende Rest verläuft auf kleinen, verkehrsarmen Nebenstraßen. Der Belag ist eine Mischung aus Asphalt und Schotter.
Die Route gliedert sich in zwei Hauptabschnitte:
- Södra Gotlandsleden (Süden): rund 337 km, mit dem allein schon etwa 1.560 Metern Höhengewinn der anstrengendere der beiden Teile.
- Norra Gotlandsleden (Norden): rund 292 km.
Der Gesamthöhengewinn des kompletten Rundwegs wird mit rund 1.520 Metern angegeben – verteilt auf Hunderte Kilometer also sehr moderat. Je nachdem, welche Varianten und Abkürzungen man wählt, liegt eine vollständige Inselumrundung zwischen etwa 300 und 500 Kilometern. Du musst den Leden aber nicht am Stück fahren: Einzelne Etappen lassen sich gut als Tagesausflug herauspicken, am bequemsten von Visby aus.
Schöne Tagesrouten ab Visby
Für Tagestouren bieten sich die ausgebauten Radwege rund um die Hauptstadt an. Anders als der überwiegend straßengebundene Leden verlaufen diese Abschnitte teils autofrei:
- Visby – Tofta (Westküste): Die Runde Richtung Tofta strand – etwa über Södra Hällarna, Högklint und Ygne, hin und zurück – ist rund 40 Kilometer lang und führt küstennah am Wasser entlang. Ein durchgehender küstennaher Radweg von Visby nach Norden besteht hier seit 2014.
- Visby Richtung Norden (Landstraße 149): Entlang der 149 verläuft ein autofreier Radweg von Visby nach Lummelunda – die naheliegende Richtung, wenn man später bis Fårösund und zur Fårö-Fähre weiter will. Streckenlänge und Profil hängen davon ab, wie weit du fährst.
- Visby Richtung Süden (Landstraße 140): Auch entlang der 140 von Visby nach Klintehamn gibt es einen eigenen, autofreien Radweg – eine entspannte Variante, um ohne viel Verkehr aus der Stadt herauszukommen.
Eine besonders lohnende Etappe für Naturfans liegt an der Ostküste bei Ljugarn. Rund einen Kilometer nordöstlich des Orts erreicht man über den Strandweg leicht mit dem Rad das Naturreservat Folhammar mit seinem etwa 500 Meter langen Raukfeld (die Raukar hier werden bis zu sechs Meter hoch). Der Eintritt ist frei; das Reservat ist barrierearm und hat einen befestigten Weg, Toilette, Parkplatz sowie einen Grill- und Rastplatz.
Fahrradverleih in Visby
Die meisten Verleihe sitzen in Visby und liefern teils inselweit – eigene feste Stationen in kleineren Orten wie Tofta oder Ljugarn solltest du dagegen nicht voraussetzen. Drei zentrale Anbieter:
- Gotlands Cykeluthyrning (GCU): Skeppsbron 2 (621 57 Visby), direkt beim Fährterminal. Über 800 Räder – City-, Trekking-, E-Bikes und MTB – ab 140 SEK pro Tag, Telefon +46 498-21 41 33. In den Hochsommerwochen 27 bis 32 liefert und holt GCU Räder überall in Visby und auf Gotland ab (ausgenommen Fårö).
- Visby Hyrcykel: zwei zentrale Stationen – am Österport (Österväg 1, nahe Busbahnhof und Stadtmauer) und am Hafen (Färjeleden 14, am Fährterminal). Saisonstart ist der 8. Juni, inselweiter Service inklusive, Telefon +46 498-25 66 10.
- rentbike.se: ebenfalls Skeppsbron 2, mit Hybrid- und E-Bikes, Lastenrädern, Tandems und MTB. Geöffnet Mo–So 09:00 bis 18:00 Uhr, Online-Vorausbuchung möglich.
Die genauen Tagespreise – besonders für E-Bikes – stehen meist erst im Online-Buchungsformular; plane über die GCU-Angabe „ab 140 SEK” hinaus etwas Puffer ein. GCU hat 2026 nach eigener Website folgende Öffnungszeiten in Visby: 11.–21. Juni täglich 09:00–16:00, 22. Juni–16. August täglich 09:00–18:00, 17.–30. August täglich 09:00–16:00, 31. August–30. September täglich 09:00–14:00; ab Oktober nur nach E-Mail-Anfrage.
Wichtig in der Hochsaison: Räder sind dann oft wochenweise ausgebucht. Eine frühzeitige Online-Vorausbuchung wird empfohlen, und sie muss spätestens am Vortag erfolgen. Wer eigene Räder mitbringt, kann sie auf der Fähre nach Visby transportieren.
Mit dem Rad nach Fårö
Die nördliche Nachbarinsel Fårö lässt sich hervorragend per Rad erkunden – und die Anreise dorthin ist denkbar einfach. Die Fåröfähre zwischen Fårösund und Broa ist nur 1.300 Meter lang, die Überfahrt dauert rund sechs Minuten und ist als Teil des Straßennetzes kostenlos, auch für Radfahrer. Tagsüber verkehrt sie etwa alle 30 Minuten; im Sommer fährt sie ohne Reservierung von 04:30 bis 01:30 Uhr, teils alle 10 bis 15 Minuten. Eine Ausnahme betrifft den Verleih: Die inselweite Lieferung von Mieträdern gilt nicht für Fårö – die letzte Strecke auf die Insel legst du mit dem eigenen oder dem in Visby gemieteten Rad zurück.
Beste Reisezeit und Wind
Gotland hat ein mildes, sonniges, aber windiges Ostsee-Klima – und der Wind ist auf dem Rad oft das prägendere Thema als jede Steigung. Über das Jahr ist der Mai mit rund 16,6 km/h im Mittel der windstillste Monat, der Dezember mit etwa 25,2 km/h der windigste. Der Juni bringt die längsten Tage (rund 18 Stunden Tageslicht) und die meiste Sonne (etwa 12 Stunden täglich) – ideal für lange Etappen.
Die niederschlagsärmste Zeit liegt zwischen März und Juli; selbst der Juli, der regenreichste Monat nach Menge, hat nur etwa 13 Regentage. Über das Jahr fallen rund 530 mm Niederschlag bei etwa 2.100 Sonnenstunden. Für eine Radreise heißt das praktisch: Frühsommer und früher Herbst sind ein guter Kompromiss aus mildem, trockenem Wetter und überschaubarem Andrang.
Denn die touristische Hochsaison ist der Juli, und am vollsten ist Visby während der Almedalsveckan (Woche 27) und der Medeltidsveckan (Woche 32). In diesen Wochen sind Unterkünfte und Fahrradverleihe oft ausgebucht. Wer dann reist, sollte Rad und Quartier früh sichern; mehr zu Klima und Saison steht im Wetter-Guide. An der offenen Küste gehören Wind- und Sonnenschutz ohnehin ins Gepäck.
Praktisches für die Mehrtagestour
Entlang des Gotlandsleden lässt sich die Strecke gut in Tagesetappen mit Quartier und Einkehr aufteilen. Die Übernachtungsmöglichkeiten sind vielfältig: Campingplätze, Hütten (stugor), Hostels (vandrarhem), Hotels sowie Bauernhof-Übernachtungen auf ehemaligen Höfen, teils nahe den Sandstränden. Verbindliche, fertige Etappenpläne mit benannten Quartieren gibt es nicht – die Aufteilung machst du am besten nach Tagesform und gewünschter Distanz selbst. Ideen zur Unterkunft liefert der Camping-Guide.
Für die Orientierung gibt es kostenlose offizielle Radkarten als PDF auf der Tourismus-Website gotland.com, inklusive einer eigenen Gotlandsleden-Karte. Ergänzend bietet Sweden by Bike GPX-Downloads für Mitglieder und eine gedruckte Karte (rund 159 SEK) an. Vor der Reise lohnt zudem ein Blick in die Aktivitäten- und Familien-Guides, wenn du das Radfahren mit anderen Inseltagen kombinieren willst.