Visby als Kreuzfahrthafen
Visby ist ein fester Halt vieler Ostsee-Rundreisen und der einzige Kreuzfahrthafen Gotlands. Das heutige Kreuzfahrtterminal wird von Copenhagen Malmö Port (CMP) betrieben; der neue, größere Kreuzfahrtkai ging am 29. April 2018 in Betrieb und löste das Anlanden per Tenderboot ab. Am Kai können zwei Schiffe von je bis zu 340 Metern Länge gleichzeitig festmachen (eines pro Pierseite); die maximale Schiffslänge liegt bei rund 360 Metern, der maximale Tiefgang bei etwa 11 Metern. Damit laufen auch große Hochsee-Kreuzfahrtschiffe Visby direkt an, statt vor der Küste zu ankern.
Wichtig zur Einordnung: Visby ist überwiegend Tagesziel. Es gibt keine festen täglichen Linien einer einzelnen Reederei, sondern unregelmäßige saisonale Einzelanläufe der jeweiligen Schiffe – wer gezielt mit einem bestimmten Schiff nach Visby will, plant über die Routen der Reederei, nicht über einen Fahrplan des Hafens.
Wann die Schiffe kommen: Saison 2026 und Liegezeiten
Die Kreuzfahrtsaison 2026 läuft von April bis Dezember, die Hauptsaison mit den meisten Anläufen liegt im Sommer zwischen Mai und September. Der Juli ist mit rund 17 Anläufen der stärkste Monat, gefolgt vom August mit etwa 10 Anläufen. Für das Gesamtjahr 2026 sind in Visby rund 105 Anläufe und etwa 165.000 Kreuzfahrtpassagiere prognostiziert – nach 100 Anläufen und 160.500 Passagieren 2025 und rund 170.000 Gästen 2024.
Für die eigene Planung an Land zählt vor allem die Liegedauer:
- Typische Liegezeit: etwa 8 bis 10 Stunden.
- Ankunft: meist am Morgen zwischen 07:00 und 10:00 Uhr.
- Abfahrt: in der Regel am Nachmittag oder frühen Abend zwischen 16:00 und 19:00 Uhr, gelegentlich später.
Zu den Visby anlaufenden Reedereien 2026 gehören unter anderem AIDA Cruises (AIDAmar, AIDAdiva, AIDAluna) und TUI Cruises (Mein Schiff 7, rund fünf Anläufe) sowie Princess Cruises, MSC Cruises, Cunard, Celebrity, Holland America, Oceania und Regent Seven Seas. Welches Schiff an einem konkreten Tag im Hafen liegt, wechselt von Woche zu Woche.
Vom Terminal in die Altstadt
Der Kreuzfahrtkai (Liegeplatz 7) liegt rund 1,5 km vom Stadtzentrum entfernt – nah genug, um Visby ohne Tour zu Fuß zu erkunden. Über den Küstenweg erreicht man das Rathaus in etwa 5 bis 10 Minuten, den Österport an der Ringmauer und damit den Eingang zur mittelalterlichen Altstadt in rund 15 bis 20 Minuten. Vom Terminal verkehren zusätzlich Shuttle-Busse zum Österport am Stadtzentrum.
Wer nicht laufen möchte, hat am Kai mehrere Optionen:
- Taxi: Vom Terminal ins Zentrum (Östercentrum) kostet eine Fahrt bei Taxi Gotland rund 180 bis 200 SEK; übliche Taxifahrten in Visby liegen bei etwa 246 bis 262 SEK für 10 Kilometer. Feste Einheitspreise gibt es nicht – die Tarife schwanken nach Tageszeit und Anbieter.
- Fahrrad: Direkt am Kreuzfahrtkai verleiht Gotlands Cykeluthyrning Räder; die Tagespreise beginnen bei rund 140 SEK. Für die flache Küste und einen entspannten Aktiv-Tag eine gute Wahl, mehr dazu im Radfahr-Guide.
- Mietwagen: Erst bei langer Liegezeit sinnvoll. Anbieter wie Hertz, Avis, Europcar und Wisby Biluthyrning sitzen am Flughafen Visby (rund 4 km vom Zentrum); Tagespreise beginnen typischerweise bei etwa 470 bis 500 SEK (Economy/Kompakt). Eine Abholung direkt am Terminal ist nicht garantiert – Details im Mietwagen-Guide.
Landgang in Visby: das lohnendste Ziel
Für einen typischen Tagesstopp reicht die Zeit gut, um Visby zu Fuß zu erleben – und bei kurzer Liegezeit ist die Altstadt ohnehin das sinnvollste Ziel, weil sie ohne Anfahrt direkt vor dem Schiff liegt. Drei Höhepunkte lassen sich ohne Eintritt verbinden:
- Ringmauer: Die rund 3,5 km lange und etwa 11 m hohe Stadtmauer, 1288 vollendet, gilt als die besterhaltene Nordeuropas. Sie ist frei zugänglich, ein Rundgang außen herum kostet nichts. Mehr zur Visby-Ringmauer im eigenen Beitrag.
- Dom St. Maria: Die Domkyrka ist täglich geöffnet (etwa 9 bis 17 Uhr), der Eintritt ist frei.
- Botanischer Garten: Ebenfalls eintrittsfrei und gut in einen Spaziergang entlang der Mauer einzubauen.
Dazwischen liegen die kopfsteingepflasterten Gassen, der Marktplatz Stora Torget und die eindrucksvollen Kirchenruinen. Bei der Verpflegung lohnt der Blick in den Essen-&-Trinken-Guide; gut beleumundete Adressen sind etwa Bakfickan (Fisch und Meeresfrüchte am Stora Torget), Surfers (Södra Kyrkogatan 1), Lindgården mit gotländischer Saisonküche sowie Vinäger und Gutekällaren.
Visby im Sommer: die Stadt der Rosen
Wer in der Hochsaison anlandet, trifft Visby unter seinem Beinamen „Stadt der Rosen” (schwed. rosornas stad). Der kalkhaltige Boden, das milde Klima – Gotland liegt in Wachszone 1 – und der windgeschützte Bereich innerhalb der Ringmauer begünstigen das Rosenwachstum so stark, dass an nahezu jedem Haus der Altstadt Rosen blühen.
Die Hauptblüte liegt in den Sommermonaten Juni, Juli und August (volle Blüte ab Ende Juni) – also genau in der Zeit, in der die meisten Schiffe anlaufen. Dank des geschützten Klimas blühen einzelne Rosen bis in den Spätherbst, sodass auch ein später Anlauf im Oktober oder November die Stadt nicht ganz ohne Blüten zeigt.
Ausflüge bei längerer Liegezeit
Reicht die Liegezeit über die üblichen acht bis zehn Stunden hinaus, lohnt ein Abstecher in die Inselnatur. Bei nur sechs Stunden an Land bleibt realistisch die Altstadt das Ziel; erst längere Aufenthalte von rund 10 bis 12 Stunden geben genug Puffer für die Ostküste:
- Raukar bei Folhammar: Das frei zugängliche Naturreservat Folhammar liegt an der Ostküste, rund 1 bis 2 km nordöstlich von Ljugarn, mit eindrucksvollen Kalkstein-Säulen. Ljugarn ist von Visby per Bus etwa 40 Minuten entfernt, mit dem Auto rund 50 bis 55 km. Eine Übersicht zu den Formationen bietet der Raukar-Guide.
- Landkirchen: Gotland ist eine Insel mittelalterlicher Landkirchen. Die Gothem-Kirche etwa liegt rund 34 km von Visby entfernt, etwa 30 bis 40 Minuten Fahrzeit.
Plane bei jedem Ausflug einen großzügigen Zeitpuffer für die Rückfahrt ein: Das Schiff wartet nicht, und Busfahrpläne sind außerhalb der Saison ausgedünnt. Für die eigene Anreise abseits der Kreuzfahrt – etwa per Fähre oder Flug – lohnt ein Blick in die Gotland-Reiseinfos.