Gotland zu Fuß
Wandern ist eine der schönsten Arten, Gotlands Natur zu entdecken. Das Gelände ist überwiegend flach und gut begehbar: Die Wege führen entlang der Küste, durch lichte Kiefernwälder, über karge Heiden („alvar”) und zu den markanten Raukar-Feldern. Die schönste Zeit ist der Frühsommer – im Mai blühen erst Wind-, dann Buschwindröschen, im Juni stehen die Wiesen voller Orchideen. Auch der September ist ideal: mild, ruhig und gut für lange Touren.
Gotlands markierte Wege folgen der „Gotlandsstandard” – einem einheitlichen Markierungssystem mit Wegweisern an Pfosten und Bäumen, geregelter Pflege und Infotafeln am Startpunkt. Die kostenlose App und der Webdienst Naturkartan zeigen alle Routen mit Länge, Untergrund und Schwierigkeit.
Die großen Fernwege
Für mehrtägige Touren oder ausgedehnte Tagesetappen gibt es auf Gotland mehrere zusammenhängende Fernwanderwege:
- Östkustleden (73 km): der längste Weg der Insel, von Närsholmen bis Anga prästänge entlang der Ostküste – mit langen Sandstränden und alten Fischerdörfern.
- Klintkustleden (30 km): vom Naturreservat Björkume bei Lummelunda bis Harudden an der Nordwestküste, geprägt von Steilküsten („klint”) und alten Kiefernwäldern.
- Torsburgenleden (17 km): von Kräklingbo nordwärts zum Naturreservat Mullvalds, durch Kulturlandschaft mit schönen Aussichtspunkten.
Auf dem Pilgerweg: Sankt Olavsleden
Gotland ist auch ein Ziel für Pilgerwanderer. Der S:t Olofsleden (Teil des nordischen Olavswegs) ist rund 60 Kilometer lang und führt zwischen S:t Olofsholm an der Ostküste und der Sankta-Maria-Domkyrkan in Visby über Heide, durch Wald und über stille Landstraßen. Unterwegs reiht er sieben mittelalterliche Kirchen aneinander – eine besinnliche Art, die Insel der hundert Kirchen kennenzulernen. Die Strecke lässt sich gut in Tagesetappen aufteilen.
Kurze Touren zu den Raukar
Wer nur ein, zwei Stunden unterwegs sein will, findet an den Raukar-Küsten kurze, eindrucksvolle Rundwege direkt am Meer:
- Digerhuvud auf Fårö: Gotlands größtes Raukar-Gebiet mit mehreren hundert Steinsäulen – ein schmaler Rundweg zieht sich kilometerweit die Küste entlang.
- Langhammars auf Fårö: das klassische Raukar-Feld im Norden, mit kurzen Runden direkt am Wasser.
- Folhammar bei Ljugarn: Naturreservat an der Ostküste mit feinen Pfaden über die Klippen.
- Holmhällar an der Südspitze: ungewöhnliche Raukar aus marmorartigem Riffkalk, ein Uferpfad führt im Bogen vom Fischerdorf Holms bis Skvalpvik.
Mehr zu Schutzgebieten und markierten Wegen steht im Natur-Guide.
Gotska Sandön – Wandern im Nationalpark
Das größte Wanderabenteuer liegt vor der Küste: Der Nationalpark Gotska Sandön, eine einsame Sandinsel nördlich von Fårö, hat rund 60 Kilometer Wanderwege durch Kiefernwald, offene Heide und kilometerlange Strände. Übernachtet wird einfach – im Leuchtturmdorf Fyrbyn oder auf den Campingplätzen, mit Toiletten und Trinkwasser.
Die Fähre M/S Gotska Sandön braucht ab Fårösund rund 2 Stunden 15 Minuten. In der Saison 2026 verkehrt sie zwischen Ende Mai und Ende August an drei Tagen pro Woche (Mi/Fr/So), dazu gibt es im Juli Tagestouren ohne Übernachtung. Die Plätze sind streng begrenzt und werden über die Länsstyrelsen vergeben – für die Sommermonate lange im Voraus reservieren. Die genauen Termine wechseln jährlich, prüfe sie vor der Reise.
Praktische Tipps
- Festes Schuhwerk: An den Raukar-Küsten ist der Untergrund steinig und uneben.
- Wind- und Sonnenschutz: Auf alvar und an der offenen Küste gibt es kaum Schatten, oft weht ein frischer Wind – Kopfbedeckung und genug Wasser mitnehmen.
- Zecken: In Wald und hohem Gras kommen Zecken vor; lange Hosen und ein Check nach der Tour schaden nicht.
- Jedermannsrecht: Das schwedische Allemansrätten erlaubt das freie Bewegen in der Natur – mit Rücksicht auf Natur, Tiere und Eigentümer.
Tipps zu Anreise und Fortbewegung vor Ort findest du in den Gotland-Reiseinfos.