Ein Kloster im Herzen der Insel
Im geografischen Zentrum Gotlands liegt die Klosterruine Roma (Roma kloster), 1163/64 von Zisterziensermönchen aus dem Kloster Nydala in Småland gegründet – am Ort des alten gotländischen Things, des Gutnaltinget. Mittelalterlich hieß die Anlage Monasterium Beatae Mariae Gutnaliae. Die Ruine der Klosterkirche mit ihren hohen Bögen zählt zu den stimmungsvollsten mittelalterlichen Stätten der Insel und ergänzt die rund 90 Landkirchen Gotlands.
Die Klosterkirche war ein dreischiffiger Bau aus behauenem Kalkstein im typischen Zisterzienserstil, errichtet nach dem Vorbild von Fontenay in Burgund. Verwaltet wird die Anlage heute von Statens fastighetsverk (SFV); im Entwicklungsrat sitzen Region Gotland, die Länsstyrelsen Gotland und das Gotlands Museum.
Vom Kloster zur Ruine
Dass von der Kirche nur Mauern und Bögen stehen, hat einen handfesten Grund. Bei der dänischen Reformation um 1531 zog die Krone die Klostergüter ein – aus dem Kloster wurde der königliche Gutshof Roma kungsgård. Den größten Schaden richtete jedoch ein Bauprojekt im 18. Jahrhundert an: In den 1730er Jahren ließ Landshövding Johan Didrik Grönhagen auf dem Gelände ein Herrenhaus aus Kalkstein errichten. Als Baumaterial brach er Steine aus der Klosterkirche, riss ihre Gewölbe ab und nutzte den Bau zeitweise als Scheune. Was die Reformation begann, vollendete also der Steinbruch für das Herrenhaus.
Theater in der Ruine – eine Tradition, die endete
Über Jahrzehnte war die Klosterruine im Sommer eine Theaterbühne: Seit 1989 dienten die Kirchenmauern als Kulisse für die Shakespeare-Aufführungen der Romateatern. Diese Tradition ist inzwischen Geschichte. Die letzte Produktion in der Ruine war Macbeth im Sommer 2023; 2024 gab es keine Aufführung, und im Juli 2024 wurde der Spielbetrieb formell beendet, nachdem die Region Gotland eine Förderung abgelehnt hatte und der Vorstand zurücktrat.
Für 2025 und 2026 sind keine Theateraufführungen in der Klosterruine belegt. Wer gezielt wegen einer Vorstellung anreisen möchte, sollte vorab prüfen, ob es überhaupt ein aktuelles Programm gibt – verlassen sollte man sich nicht darauf. Aktuelle Veranstaltungen der Insel sammelt der Events-Guide.
Was dich erwartet
Die Ruine steht in einer parkartigen, gepflegten Anlage, dem Kungsgård-Park. Vorhanden sind:
- ein großer kostenloser Parkplatz
- bequeme Kieswege durch das Klostergelände
- Informationstafeln, die die Geschichte des Klosters erläutern
- das benachbarte Roma kungsgård mit Kultur- und Handwerkszentrum, Ausstellungen, Kunsthandwerk, Läden und Café/Restaurant (eigene, überwiegend sommerliche Zeiten)
Für die Ruine selbst reichen 30 bis 60 Minuten. Wer auch durch den Park schlendert, das Kungsgård besucht und im Café einkehrt, kann ein bis zwei Stunden einplanen. Am stimmungsvollsten wirken die hellen Kalksteinmauern abends, wenn das flache Licht die Bögen betont.
Besuch & Praktisches
- Zugang: Die Klosterruine und der Park sind ganzjährig frei zugänglich, rund um die Uhr und ohne Eintritt. Café, Läden und Handwerkszentrum im Kungsgård sind separat und überwiegend im Sommer geöffnet – Preise in SEK.
- Anreise: Roma kloster liegt im mittleren Gotland, südöstlich von Visby, und ist mit dem Auto über die zentralen Inselstraßen gut erreichbar. Adresse: Roma kloster och kungsgård, 622 54 Romakloster. Tipps zur Anfahrt gibt der Anreise-Guide.
- Beste Zeit: Sommer von Juni bis August, wenn Tage lang und Café sowie Kungsgård eher geöffnet sind. Abends für das schönste Licht an den Mauern.
- Kombinieren: Die zentrale Lage macht Roma zu einem guten Zwischenstopp auf einer Inselrundfahrt. Mehr zur Klosterlandschaft und den Landkirchen im Kirchen-Guide; Hintergründe zur Insel im Fakten-Guide.