Eine Insel ohne Brücke
Gotland liegt rund 90 Kilometer vor der schwedischen Ostküste, und es gibt keine feste Verbindung zum Festland – die Insel erreicht man nur per Schiff oder Flugzeug. Eine Brücke oder ein Tunnel sind seit Jahren im Gespräch (etwa eine Linie Oskarshamn–Visby über Nordöland, mit älteren Kostenschätzungen von 25 bis 40 Milliarden SEK), aber beschlossen ist nichts. Was die Regierung im Februar 2026 tatsächlich angestoßen hat, ist nur eine Trafikverket-Studie zu Alternativen für die Fährtrafik ab 2035; der Bericht soll bis Ende 2026 vorliegen. Bis dahin – und weit darüber hinaus – gilt: Wer nach Gotland will, kommt über See oder durch die Luft.
Ankunftsort ist fast immer Visby an der Westküste, mit dem Fährhafen direkt unter der Stadtmauer und dem einzigen Flughafen der Insel. Aus Deutschland führt der Weg in aller Regel über das schwedische Festland: zuerst nach Schweden, dann mit der Fähre oder einem Inlandsflug weiter nach Gotland.
Mit der Fähre: die einzige Option fürs eigene Auto
Die Fähre ist der klassische Weg auf die Insel und die einzige Möglichkeit, das eigene Fahrzeug mitzunehmen. Betrieben werden beide Linien 2026 von Destination Gotland, einer Tochter der Rederi AB Gotland (Gotlandsbolaget); einen Betreiberwechsel hat es seit 2024 nicht gegeben, der aktuelle Vertrag mit dem Verkehrsamt Trafikverket läuft bis 31. Januar 2027. Es gibt zwei Festlandshäfen:
- Nynäshamn – Visby: rund 60 Kilometer südlich von Stockholm, ganzjährig zwei Hin- und Rückfahrten pro Tag. Die Schnellfähre braucht etwa 3 Stunden 15 bis 35 Minuten. Die richtige Wahl aus Richtung Stockholm und Mittelschweden, auch ohne Auto per Pendeltåg gut erreichbar.
- Oskarshamn – Visby: in Småland an der Südostküste, ganzjährig eine Hin- und Rückfahrt pro Tag, Überfahrt rund 3,5 Stunden. Meist der kürzere Weg für Reisende aus Süd- und Westschweden.
In der Sommer-Hochsaison kommen auf beiden Linien zusätzliche Abfahrten dazu, außerdem gibt es Nachtüberfahrten (rund 7 bis 9 Stunden), mit denen sich eine Übernachtung sparen lässt.
Was die Fähre kostet
Die Preise sind dynamisch und richten sich stark nach Saison und Nachfrage. Personentickets gibt es 2026 als Sommerangebot ab 240 SEK, im Juli liegen sie in der Hochsaison aber oft bei 500 bis 700 SEK. Ein Pkw-Ticket startet bei rund 900 SEK. Wer mit dem Auto reist, fährt mit dem Kombipaket Alla+Bilen oft günstiger: Fahrzeug plus bis zu fünf Personen ab etwa 1.100 bis 1.250 SEK auf ausgewählten Abfahrten. Ein paar Buchungstipps:
- Direkt online buchen: Die günstigsten Preise gibt es über destinationgotland.se; bei Buchung per Telefon oder am Terminal fallen 70 SEK Servicegebühr an.
- Früh reservieren: Besonders an Sommerwochenenden sind Abfahrten mit Auto schnell ausgebucht – der Stellplatz fürs Fahrzeug will rechtzeitig gesichert sein.
- Nachtfähre nutzen: Wer flexibel ist, spart mit der Nachtüberfahrt Zeit und eine Hotelnacht.
Alle Details zu Häfen und Fahrplänen stehen im Fähren-Guide.
Mit dem Flugzeug: in gut einer halben Stunde nach Visby
Wer ohne Auto und schnell anreisen will, fliegt zum Visby Airport (VBY), rund drei Kilometer außerhalb der Altstadt. Das Rückgrat sind die Flüge ab Stockholm: Ab Mai 2026 gibt es etwa 60 Abflüge pro Woche (im Schnitt acht bis neun Flüge täglich). Bedient wird die Strecke vor allem von SAS (mit deutlichem Abstand führend), dazu von Norwegian und Västflyg/Worldticket.
Beide Stockholmer Flughäfen sind angebunden: Arlanda (ARN) über Norwegian und SAS, Bromma (BMA) wieder über Västflyg, das die Linie Visby–Bromma 2025 mit rund 50 wöchentlichen Abflügen (Saab 340) neu gestartet hat, nachdem sie zum Jahresende pausiert hatte. Tickets beginnen bei rund 420 bis 600 SEK one-way als Aktionspreis und werden in der Hochsaison teurer; insgesamt liegen die Preise 2026 spürbar über dem Vorjahr.
Aus Deutschland gibt es keine Direktflüge nach Visby – die Anreise führt per Umstieg über Stockholm. Mehr dazu im Flug-Guide.
Mit dem Auto über die Ostseefähren
Wer das Auto bis nach Gotland mitnehmen möchte, fährt zuerst aufs schwedische Festland und von dort weiter zur Gotland-Fähre. Von Deutschland aus bieten sich die Ostseefähren nach Trelleborg an:
- Rostock – Trelleborg: täglich bis zu sechs Abfahrten (je drei von TT-Line und Stena Line), Überfahrt rund 6 Stunden (nachts 7 bis 8). Pkw plus Fahrer ab etwa 49 € (TT-Line Smart) bzw. 61 € (Stena Line Economy).
- Travemünde – Trelleborg: ausschließlich TT-Line, bis zu acht tägliche Abfahrten, tagsüber rund 7,5 bis 9 Stunden, nachts bis 10. Pkw-Tarife ab etwa 49 €; die LNG-Schiffe Nils Holgersson und Peter Pan haben E-Ladestationen an Bord.
Vom Hafen Trelleborg sind es rund vier Stunden bis Oskarshamn und gut fünf bis Nynäshamn, dann geht es mit der Gotland-Fähre weiter. Alternativ führt der Landweg über die Öresundbrücke. Auf der Insel selbst ist ein Fahrzeug fast Pflicht, weil der Busverkehr außerhalb von Visby dünn ist – Details zum Mietwagen und zur Fortbewegung vor Ort stehen in den Gotland-Reiseinfos.
Auto abstellen und vor Ort mobil bleiben
Wer das eigene Auto nicht mitnimmt, mietet in Visby unkompliziert eines. Am Visby Airport sind Avis, Europcar, Hertz, Mabi und Wisby Biluthyrning vertreten; Hertz hat zusätzlich ein Büro direkt am Fährterminal/Gästehafen – praktisch für die Übernahme gleich nach der Ankunft.
Fürs Parken in Visby gilt:
- Parkplatz P1: rund 110 SEK pro Tag bzw. 550 SEK pro Woche – die günstige Lösung für längere Aufenthalte.
- Innenstadt: fünf Zonen mit Stundentarifen von etwa 3 bis 10 SEK pro Stunde.
- Kombipreise: Destination Gotland bündelt Fahrzeug und Passagiere im Alla+Bilen-Paket der Fähre.
Mit dem Kreuzfahrtschiff
Visby ist auch ein fester Halt vieler Ostsee-Kreuzfahrten. Die Saison 2026 reicht vom 1. April bis 23. Dezember, erwartet werden über die Saison rund 110 Anläufe – etwa auf Vorjahresniveau. An mehreren Sommertagen ist der Hafen voll ausgelastet; bis zu zwei jeweils 340 Meter lange Schiffe können gleichzeitig anlegen. Das Kreuzfahrtterminal liegt vor der Altstadt, deren Sehenswürdigkeiten vom Schiff aus bequem zu Fuß erreichbar sind. Tipps für den Landgang stehen im Kreuzfahrt-Guide.