Einmal im Jahr reist Visby ins 14. Jahrhundert zurück: Zur Mittelalterwoche (schwedisch Medeltidsveckan) verwandelt sich die ohnehin mittelalterliche Hansestadt in eine lebendige Kulisse aus Markt, Turnier und Heerlager. Das Fest gibt es seit 1984; getragen wird es heute von der Medeltidsveckan på Gotland AB im Besitz einer 1991 gegründeten gemeinnützigen Stiftung. Mit über 800 Programmpunkten an gut 40 Spielorten ist es das größte und bekannteste Event der Insel – und für viele der Grund, überhaupt im August nach Visby zu kommen.
Termine 2026 und das Thema „Love”
Die Medeltidsveckan liegt immer in Kalenderwoche 32 und dauert acht Tage von Sonntag bis Sonntag. 2026 findet sie von Sonntag, 2. August, bis Sonntag, 9. August statt. Das Motto des Jahres lautet „Love” (Liebe) – ein Leitthema, das sich erfahrungsgemäß durch Programm, Umzüge und Inszenierungen zieht.
Wer das Fest mit eigenen Augen einordnen will: Die rund 40.000 Besucher pro Jahr (offizielle Erhebung von 2014) machen die Woche zur intensivsten der ganzen Saison. Das vollständige Stundenprogramm 2026 mit Bühnenplänen und genauen Turnier-Uhrzeiten veröffentlicht der Veranstalter erst kurz vor dem Fest – für die Reiseplanung reichen aber Termin, Bänder und die festen Höhepunkte, die jedes Jahr wiederkehren.
Was dich erwartet
Das Programm richtet sich ausdrücklich an alle Altersgruppen und ist auf gut 40 Spielorte in und um die Altstadt verteilt. Die wiederkehrenden Säulen:
- Mittelaltermarkt: Handwerker, Händler und Gaukler in den Gassen und auf den Plätzen der Altstadt – frei zugänglich mit Festivalband.
- Ritterturniere (Tjost): Lanzenstechen und Schaukämpfe auf der Medeltidsarenan, in der Regel täglich (mehr dazu unten).
- Musik, Theater und Prozessionen: Konzerte, Aufführungen und Umzüge durch die Stadt; die namentlichen Acts des Jahrgangs stehen erst im Programm.
- Kinderbereich: ein eigener Riddargård/eine Kinderarena für die jüngeren Gäste.
- Mitmachen: Viele Besucher kleiden sich selbst mittelalterlich – Gewänder und Zubehör gibt es vor Ort, dazu Workshops und Vorführungen.
Über 100 Programmpunkte sind mit dem Festivalband frei. Nur einzelne Veranstaltungen mit reservierten Sitzplätzen – allen voran die Turnier-Tribüne – kosten zusätzlich.
Festivalband und Preise
Das Fest ist nicht durchgehend kostenlos. Für den Zugang zu allen Festivalbereichen braucht man ein Medeltidsband (Festivalpass). Verkauft wird es über die offizielle Plattform Nortic und das offizielle Programm. Die Preise 2026 (jeweils „ab”):
- Wochenband: ab 363 SEK.
- Tagesband: ab 132 SEK für die Tage 2. bis 8. August; am letzten Tag, Sonntag, 9. August, ab 66 SEK.
- Wochenband inklusive Camping: ab 945 SEK.
Ermäßigungen sind großzügig: Kinder bis einschließlich 6 Jahre gratis, 50 % Rabatt bis 15 Jahre, weitere Ermäßigungen bis 20 Jahre sowie für Studierende und Rentner. Wer mehrere Tage bleibt, fährt mit dem Wochenband fast immer günstiger als mit Einzeltickets – und ein gebuchter Festival-Campingplatz enthält das Band ohnehin für die ganze Woche.
Die Ritterturniere auf der Medeltidsarenan
Der Publikumsmagnet sind die Tornerspel – die Ritterturniere mit Tjost (Lanzenstechen). Sie finden in der Regel täglich auf der Medeltidsarenan (Strandgärdet) statt, nördlich der Visbyer Stadtmauer an der Strandgatan. Zu den auftretenden Gruppen gehören Torneamentum und die Gutars Archers.
Ein Teil der Arena ist Tribüne mit reservierten Sitzplätzen – diese Plätze sind nicht im Festivalband enthalten und müssen separat gebucht werden. Die genauen Anstoßzeiten der einzelnen Tage stehen erst im Jahresprogramm; wer sicher einen guten Platz will, sollte die Tribünentickets früh sichern.
Schlacht von Wisby: das Reenactment von 1361
Der historische Kern des Festes ist die Schlacht von 1361. Damals landete der dänische König Valdemar IV. (Valdemar Atterdag) am 22. Juli 1361 an Gotlands Westküste; in der Entscheidungsschlacht direkt an Visbys Mauer am 27. Juli 1361 fielen rund 1.800 gotländische Bauern, die Stadt ergab sich und zahlte Lösegeld. Diese Geschichte wird während der Woche gleich mehrfach lebendig:
- Valdemarståget: Ein abendlicher Festumzug erinnert an die dänische Invasion und die Brandschatzung Visbys. Im Vorjahr zog Valdemar gegen 18 Uhr zum Söderport, mit Fortsetzung am Stora Torget und am Jungfrutornet.
- Battle of Mästerby: Das erste Reenactment der Schlacht wird im südlichen Gotland nachgestellt.
- Battle of Wisby: Das große Reenactment an der Ringmauer (Östergravar) mit über 500 Teilnehmern aus mehr als 15 Ländern, zu Fuß und zu Pferd.
Dazu gehört traditionell ein feierlicher Rahmen: Die Eröffnung beginnt mittags mit einer Parade samt Reden und Abmarsch zur Arena; am Eröffnungsabend gibt es ein kostenloses Programm auf der Medeltidsarenan, das klassisch mit Feuerpfeilen ins Meer endet. Die genaue Tageszuordnung dieser Höhepunkte wechselt jährlich und steht im aktuellen Programm.
Camping, Parken und Anreise
Der Veranstalter bietet eigenes Festival-Camping an, jeweils mit Festivalband für die ganze Woche inklusive:
- Modernes Camping am Galgberget.
- Historisches Camp an den Östergravar – hier sind nur historische Pavillons erlaubt.
- Piraten-Camp am Strandgärdet.
Parken: Autos stehen am Galgberget, Anhänger und Autos am Lagerplatz P18. Alternativ gibt es Parkplätze der Region Gotland oder Straßenparken in nahen Wohngebieten. Wer auf eigene Faust mit Wohnmobil anreist, sollte zusätzlich den Camping-Guide mit den Regeln zum Jedermannsrecht lesen – frei stehen ist auf Gotland stark eingeschränkt.
Mehr Festival-Termine über das Jahr stehen im Veranstaltungskalender.
Tipps zur Reiseplanung
Die Mittelalterwoche ist die teuerste und meistgebuchte Zeit des Jahres in Visby. Daraus folgt das Wichtigste vorab:
- Früh buchen: Unterkünfte in Visby – Hotels wie Ferienhäuser – sind in dieser Woche als Erstes ausgebucht. Auch die Fähre und Flüge sollten so früh wie möglich stehen. Eine verbindliche „spätestens bis”-Frist gibt es nicht, aber je näher der August rückt, desto knapper und teurer wird alles.
- Festivalband vorab sichern: Wer weiß, an welchen Tagen er kommt, kauft das Band über Nortic im Voraus – das spart Wartezeit vor Ort.
- Mit Kindern planbar: Dank Kinderarena und gratis Eintritt bis 6 Jahre ist das Fest familientauglich; konkrete Familien-Tipps stehen im Guide für die Reise mit Kindern.
- Budget realistisch ansetzen: Über das Festivalband hinaus kommen Tribünen- tickets, Verpflegung auf dem Markt und eventuell Gewandmiete dazu – feste Tagespauschalen gibt der Veranstalter nicht aus.
Wer Visby ohnehin im Sommer besucht, sollte einen Blick auf die Termine werfen: Die Woche ist ein Erlebnis, bringt aber Hochsaison-Preise und volle Gassen mit. Allgemeine Hinweise zu Anreise und Fortbewegung stehen in den Gotland-Reiseinfos.